Das aus 49 Bronzeglocken bestehende Carillon an der Altstadtkirche Eppingen ist für Touristengruppen neben der historischen Altstadtführung sehr interessant. Kurzkonzert mit Führung durch die Glockenstube, aber auch ein Orgelkurzkonzert an der berühmten Klais-Orgel ist lohnenswert.
Andreas Schmid gibt eine Demonstration über die Spielweise am Stockenklaviaturspieltisch.
Das Publikum in der Glockenstube kann über eine Leiter zu den 49 Glocken hochsteigen und diese besichtigen (Gesamtgewicht 3.9 Tonnen). Die grösste Glocke, Schlagton g´hat einen Durchmesser von 1,10 Metern und wiegt 600 Kilogramm; die kleinste Glocke a ´´´hat ein Gewicht von 12 Kilogramm.
Die Glocken sind verziert mit Wappen Sprüchen und Namen.
Die Orgel wurde 1975 von der renomierten Orgelfirma Klais (Bonn) gebaut. Seither gibt es die Internationale Konzertreihe mit berühmten Konzertorganisten aus aller Welt.
www.kath-eppingen.de Hier finden Sie Informationen über die Seelsorgeeinheit Eppingen
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Hier einige ältere Presseberichte: HST / Welzin
Der Fantasie freien Lauf lassen Von Leonore Welzin 4. August, 2009 Zirzensischer Zauber: Andreas Schmid eröffnete den Eppinger Carillonsommer vor 250 Besuchern.
Foto: Leonore Welzin
Eppingen - Mit dem Ruf des Kuckucks eröffnet Andreas Schmid den 17. Carillonsommer, der sich am Sonntag wenig sommerlich zeigt. Quasi ein Nachruf auf den Vogel, der sich Anfang August Richtung Afrika verabschiedet. Die Fangemeinde des Glockenspiels, 250 Besucher, hat sich vom unbeständigen Wetter nicht abhalten lassen, sie ist zur katholischen Stadtpfarrkirche gepilgert und hat wieder einmal Glück gehabt: Erst nach Ende des Konzerts beginnt es zu regnen.
Das Programm schlägt den Bogen von Matthias van den Gheyns (1721-1785) fröhlichem „Kuckuckspräludium“ über ein meditatives C-Dur Adagio von Mozart (1756-1791) bis zur „Serenade für Carillon op. 61“ von Flor Peeters (1903-1986) und macht mit der Zugabe eine Rolle rückwärts zu Marc-Antoine Charpentier (1643-1704) und dessen Prelude aus dem „Te Deum“, besser bekannt als Eurovisionsmelodie.
Lockruf Bewegt vom liturgischen Schreiten durch Harmonien in Zeit und Raum, summt eine Zuhörerin den Gregorianischen Gesang „Veni sancte spiritu“ mit. „Komm, Heiliger Geist!“, als hätten auch sie den Lockruf vernommen, flattern einige Tauben aufs Kirchendach und trippeln zu feinen Klangverzierungen die Sandsteinbalustrade entlang. Während der Carilloneur drinnen am Stockenklavier seiner Fantasie in raffinierten Improvisationen zum Thema „Maria wir lieben...“ freien Lauf lässt, vollführen die Symboltiere des Heiligen Geistes draußen kleine Balztänze. Verminderte Quint, kleine Terz, Septime - die Intervallfolgen, wie sie typisch sind für Geläut, macht Staff Nees (1901-1965) zum Ausgangspunkt seiner Komposition „Fantasia 1“, um dann mit dem teuflischen Tritonus zu irritieren und mit langen Haltetönen zu sedieren.
Kostbarkeiten Kompositorische Kostbarkeiten, zu denen Peeters „Serenade für Carillon“, Jef van Hoofs (1886-1959) „Preludium quasi una fantasia“ und Géo Cléments (1899-1963) „Campanella“ gehören. Zart flirren die Klanggespinnste durch die Luft, während in der Ferne Donner grummelt, der Wind kräftiger wird. Eine Besonderheit sind japanische Lieder: „Komoriuta“, ein Wiegenlied, „Akatombo“, ein Kinderlied und „Sakura“, ein Frühlingslied. Jo Haazen hat sie fürs Carillon arrangiert, Schmid verwandelt sie in zirzensischen Zauber. Es ist der letzte Tag von Mariko Urano in Eppingen. Die Lehrerin aus Tokio, die in Schulen der Region hospitiert hat, ist überglücklich. So schön habe sie die Lieder ihrer Heimat noch nie gehört. Sie lächelt und macht flugs ein Erinnerungsfoto.
Klangkaskaden und Federwölkchen 19.08.2009
Von Leonore Welzin Foto: Leonore Welzin
Eppingen - Mitten im Herzen der Altstadt beherbergt die über 1000-jährige Fachwerkstadt ein ganz besonderes musikalisches Kleinod: ein Carillon. Das Glockenspiel mit 49 Bronzeglocken direkt über dem Haupteingang zur katholischen Stadtpfarrkirche in Eppingen ist auch im siebzehnten Jahr an drei August-Sonntagen ein Magnet und Mekka für Musikliebhaber aus nah und fern. Zu Gast beim zweiten Konzert des Eppinger Carillonsommers ist der mehrfach ausgezeichnete Belgier Twan Bearda. Zarte Federwölkchen mischen sich mit flirrenden Klangkaskaden. Der letzte Akkord von Joseph Haydns Symphonie Nr. 39 liegt noch in der Luft. Die Blicke des Publikums auf dem Kirchenvorplatz richten sich nach oben. Auf dem kleinen Erker Westfassade erscheint der Carilloneur Bearda von der Nachmittagssonne beschienenen und ganz unprätentiös.
Hinauf in die Turmstube Als käme er direkt aus dem Urlaub, sportlich leger gekleidet in kurzen Hosen und Poloshirt, lässt der junge Musiker den Applaus des Publikums nicht unbeantwortet. Twan Bearda rundet das Programm mit dem „Tanz der Zuckerfee“ aus Peter Tschaikowskys (1840-1893) Nussknacker ab, bevor die Zuschauer über eine Wendeltreppe die Empore, und von da aus die Turmstube mit dem Stockenklavier erklimmen, um sich Instrument und Spielweise vom Fachmann erklären zu lassen. Romantisches Schwärmen, poetische Versonnenheit, brillanter Witz und Virtuosität bestimmen das Programm, in dem geistliche Musik von Zoltán Kodály (1882-1967), sein „Gebet“ und „Stabat Mater“ sowie das „Pange Lingua“, mit Joseph Haydns (1732-1809) Rondo aus der „A-moll Sonate Nr.35“ und der erwähnten viersätziger Symphonie ganz munter abwechseln. Ob moderner Chorgesang wie Kodálys sakrale Lieder oder die Haydn-Sonate, Bearda überträgt die Vielstimmigkeit der Originale mit einer Leichtigkeit aufs Glockenspiel, die Staunen macht.
Mit Fäusten und Füßen Schon die Einstimmung mit Niccolò Paganinis zauberhaften Variationen über ein Thema von Franz Xaver Süssmayr, genannt „Le Streghe“ (Hexentänze), im Original für Geige und Klavier, zeigt das ganze Spektrum differenzierter Klangmöglichkeiten der Glocken durch die Hände, Fäuste und Füße des Arrangeurs und Interpreten Bearda. Vorbild für die hohe Kunst des Arrangierens dürfte dabei sein Lehrer Boudewijn Zwart sein, der mit der Umsetzung von Orchester-Tremoli, Synkopenketten, großen Intervallen, schroffen Kontrasten und Rezitativ-Formeln die opulente Sprache der Symphonie in ein Musterbeispiel transparenter Klarheit verwandelt. Ganz Klang, scheint die Welt noch in Ordnung.
Charles Dairay beim Finale des 17. Carillonsommers Welzin 1.09.2009 Eppingen - 400 Zuhörer sind zum letzten der drei Konzerte gekommen, mit dem Charles Dairay den 17. Carillonsommer bei strahlendem Wetter abrundet. Das populäre neapolitanische Lied „Funiculì, funiculà“ von Luigi Denza gibt es als Zugabe. Zum ersten Mal in Eppingen, ist Dairay des Lobes voll über das Glockenspiel der katholischen Pfarrkirche: „Es klingt klar und spielt sich leichter als viele andere Carillons. Die Resonanzen schwingen lange nach und sind wunderbar!“. Melodieschleifen Der 35-jährige Glockenkünstler weiß, wovon er spricht, konzertiert er doch weltweit. So weltläufig wie der Interpret ist auch sein Programm, das mit dem „Capricho árabe“ von Francisco Tárrega startet. Der Serenade des katalanischen Gitarrenpioniers folgt, schwungvoll und heiter, Originalliteratur für Glocken: „On the San Antonio River“ von Robert Byrnes, die fein strukturierte „Rêverie“ (Träumerei) des Belgiers Aimé Lombaert sowie großzügige Melodieschleifen eines „Fandango“ vom Zeitgenossen Frank Dellapenna. Ohne Stechschritt Besonders beliebt beim Publikum sind Transkriptionen bekannter Titel. Durch die lang anhaltenden Resonanzen verliert Johann Strauss' „Radetzkymarsch“ den erdigen Stechschritt-Charakter, der markante Rhythmus tritt in den Hintergrund. Lebhaft mitgesummt, bekommt Jacques Revaux' Chanson „Comme d'habitude“ (bekannt als „My Way“) Flügel, manifestiert sich scheinbar als wolkig-weißer Kondensstreifen am tiefblauen Himmel. Auf den Spuren des melancholischen Müßiggängers Charles Aznavour wandert „La Bohème“ durch chromatische Gefilde. „Chattanooga Choo Choo“ und „In the Mood“: in Dairays „Suite américaine“ verschmelzen diverse Glenn-Miller-Stücke. Eine sakralmusikalische Würdigung sind seine „Trois Chants à la Vierge“ (Drei Lieder für die Jungfrau), der Namensgeberin der Eppinger Kirche „Unsere Liebe Frau“ gewidmet.
Kantor Andreas Schmid eröffnet den 16. Eppinger Carillonsommer
Turmglockenspiel, das ist purer Klang. Vom Anschlag bis zum Verklingen liegt eine kleine Ewigkeit. Faszinierend die Klarheit und Reichweite des Klangs. Tiefe Töne, die aus der Höhe kommend, mit den Wolken das Weite suchen. höchste Töne, die tief im Inneren weiter schwingen.
Zum Auftakt des 16. Eppinger Carillonsommers erweist Kantor Andreas Schmid dem Glockenspiel seine Reverenz. Ob französisch „Carillon“, flämisch „Beiaard“ oder italienisch „Campana“, das Glockenspiel hat Komponisten vieler Länder und Epochen inspiriert. Unter ihnen der Filmmusiker Nino Rota - berühmt durch seine Kompositionen für Fellini, Visconti und Coppola – hat sich bei einem Floridaaufenthalt derart in den Klang verliebt, dass er dafür kurz,einfach und melodiös wie Kinderlieder, die atmosphärisch dichten Stückchen „Campana a sera“ und „Campana a festo“ geschaffen hat.
Ein Komponist, dem man sich in Eppingen besonders verbunden fühlt ist der frühvollendete Amerikaner Robert Byrnes, dessen „Reflection“ auch in Vorjahren zu hören war. Den frühen Tod eines Freundes beklagend, spürt er, musikalisch vielschichtig, den Fragen nach dem Woher und Wohin nach. Komplex und emotional facettenreich sind auch Sjef van Balkoms „Sonatine voor Beiaard“ und Kristaan van Ingelhems „Beiaardsuite“.
Neben Originalliteratur des 20. Jahrhunderts stehen Werke von Händel und Mozart auf dem Programm, neu arrangiert für Carillon. Fern jeder Banalität gewinnt Papagenos heiter gezwitscherter Wunsch: „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus der Zauberflöte eine kontemplative Dimension. In der Arietta des Cherubino „Voi che sapete“ schimmert - ganz ohne Worte - das Verlangen nach einer mystischen Vereinigung durch.
Nach dem Konzert pilgern etliche in den Turm, um in schwindelnder Höhe einen Blick auf die 49 Glocken mit einem Gesamtgewicht von knapp 4000 Kilogramm zu werfen. „Keine Sorge“ scherzt Schmid, „das Gewicht wird von afrikanischem Hartholz gehalten“. Der Eppinger Carilloneur erklärt die Mechanik von Spieltisch und Glocken, demonstriert anhand des Eröffnungsstückes „Carillon“ von Georg Friedrich Händel die Spieltechnik am Stockenklavier. Erstaunlich, dass der schweißtreibende Körpereinsatz mit Fäusten und Füßen derart zarte Klänge hervorbringt.
Der Carillonsommer in der historischen Innenstadt erfreut sich wachsender Beliebtheit. Angeregt von Stuttgarter Verwandten ist Familie Orditz aus Frankreich zum ersten Mal in die Fachwerkstadt gereist, um das Freiluftkonzert mit Blick auf die katholische Kirche zu erleben. „Wir sind zu siebt hier. Es hat uns sehr, sehr gut gefallen.“ sagt Marie-Jeanne Orditz und ist sich sicher: „Wir kommen wieder.“
Das dem Glockenspiel lauschende Publikum beim 16. Eppinger Carillonsommer. Die Strasse vor der Altstadtkirche wird für die Konzerte abgesperrt, um den Gästen Sitzgelegenheit zu geben.
Olesya Rostovskaya gastiert beim 16. Eppinger Carillonsommer
Zar Peter hat nicht nur das Zimmermannshandwerk aus den Niederlanden des 17. Jahrhunderts nach Russland gebracht, der große Modernisierer begeisterte sich auch für das Turmglockenspiel, das in jener Zeit in Flandern eine Blüte erlebt. Im dritten und damit letzten Konzert des diesjährigen 16. Eppinger Carillonsommers lässt Olesya Rostovskaya die russisch-flämische Freundschaft anklingen.
Die Musikerin aus St. Petersburg stimmt ein mit Händels lebhafter Hommage an das Instrument „Carillon“ und streut Bachs C-Dur „Präludium“ als Reminiszenz an die deutsche Kompositionskunst dazwischen. Das Publikum vor der katholischen Stadtpfarrkirche ist vom Facettenreichtum der 18 Stücke wie von der Virtuosität der Darbietung begeistert. „Der Carilloneurin ein Kompliment für die sensible wie kraftvolle Interpretation von Werken aus vier Jahrhunderten“ lobt Susanne Blach. Die Zuhörerin aus Bad Wimpfen ist selbst Chorsängerin und beeindruckt „wie fein und geschmeidig ein Instrument sich anhört, das mit Fäusten und Füßen gespielt wird“.
Besonders interessant und völlig neu sind die Werke der russischen Komponisten. Eine „Fantasie über ein Thema des Byzantinischen Ritus“ von Gaston Feremans leitet über zum zweiten Teil, der den Komponisten Zinovjev („Abendglocken“), Bortnjansky („Ich bete an die Macht der Liebe“) und dem, von der Rostovskaya besonders geschätzten Zeitgenossen Aleksey Podobed („Blossoming“) gewidmet ist. Krönender Abschluss sind eigene Kompositionen der Interpretin. Zart und entrückt ihre „Three humble Prayers“, filigran der „Sunday morning“, zwei Stücke, die das überwältigend dynamische „Temptation“ rahmen, das beim Publikum tosenden Beifall auslöst.
Ursprünglich sind Klavier, Orgel und die Ätherwellengeige die Instrumente der Komponistin, die in ihrer Heimat mehrfach für ihre Werke, darunter eine Matthäus-Passion, ausgezeichnet wurde. Da in der orthodoxen Liturgie die Glocken eine wichtige Rolle spielen, hat sie sich als Mitglied der russisch-orthodoxen Kirche schon früh als Glöcknerin betätigt. „Diese Glocken, es können sechs bis 20 sein, sind in keiner speziellen Tonart gestimmt. Es kommt vielmehr auf die Schönheit des Klanges jeder einzelnen an“, erläutert sie nach dem Konzert. Ob Kirchenmusik wie das „Ave Maria“ von Jef Denyn, dem Gründer der weltweit ersten Carillonschule im belgischen Mechelen (1922), und dem bekannten „Gloria“ eines Anonymus, bei dem viele Zuhörer mitsummen oder ein flämisches Volkslied mit dem Dreikönigsmotiv, das die Rostovskaya als Prolog vor Fioccos „Allegro“ setzt, die Musikerin mit absolutem Gehör gibt der Klangqualität jedes einzelnen Tons Raum, sich voll zu entfalten.
Von der russischen Romantik und dem flirrenden Wohlklang des Eppinger Carillon inspiriert, erklimmen selbst bejahrte Herrschaften über die steile Wendeltreppe die kleine Spielkammer, zollen der 33-jährigen Carilloneurin Anerkennung. Furios bearbeitet die Rostovskaya noch einmal die Hebelklaviatur. Das Publikum ist tief berührt und überhäuft die temperamentvolle Musikerin mit Fragen, die sie in gebrochenem Englisch und mit viel Geduld beantwortet.